Flug ins Blaue

Meine erste richtige Aussenlandung

Eigentlich wollte ich gar nicht groß auf Strecke gehen, schließlich bin ich ja noch Scheinneuling und das Wetter sah nicht nach "Thermik für Doofe" aus. Wünschenswert wären neben dem blauen Himmel hier und da auch ein paar nette Cummulanten gewesen, aber außer leichten Schleiern in großen Höhen war alles nur durch und durch blau. Dennoch ging es dank des kräftigen Sonnenscheins direkt aus der Winde in Bad Neuenahr in einen Bart, der mich mit starkem Versatz schon gut auf Höhe brachte. Natürlich war es sicher nicht die effizienteste Entscheidung, mit dem Wind abzufliegen, aber ich wollte mich zunächst erstmal in bekannterem Gelände austoben, anstatt auf der anderen Rheinseite in den für mich abenteuerlichen Westerwald einzufliegen. Bis Euskirchen ging auch zunächst alles prima. Immer wieder gab es irgendwo im Blauen kräftige Aufwinde, in denen mit wenigen Kreisen enorm Höhe gemacht werden konnte. Als ich dann nach Süden in die Eifel abbog, wurde der bis dahin bequeme Flug zu einem regelrechten Kampf. Gegen den Wind verlor ich bei häufig 5 (fünf!) m/s Sinken die Höhe, die ich gerade erst mühsam kreisend gewonnen hatte. Es ging nur sehr zäh vom Fleck und obwohl ich nur ein paar km nördlich von Wershofen herumkrebste, war der benachbarte Flugplatz als ein für mich gedanklich gesetztes Zwischenziel unerreichbar. Irgendwann habe ich dann umdisponiert ("Aufgeben" klingt so unschön) und wollte wieder nördlich über Rheinbach und Meckenheim zurück nach Bad Neuenahr fliegen. Leider waren die Bärte nicht mehr so gut ausfliegbar wie anfangs und als ich erst unterhalb 700 m war, wurde der Flug immer mühsamer. Seit meinem Kampf nördlich von Wershofen  hatte ich immer schon irgendwo einen passenden Acker für Notfälle im Blick. Bei Gelsdorf hatte ich noch 400m über Grund. Bei dem kurzen Flug über das Dorf hatte ich weitere hundert Meter eingebüßt. Da der letzte "gute" Acker vor dem Dorf lag und das Vario einfach nicht mehr in den positiven Bereich wandern wollte, kehrte ich zu dem entdeckten Acker zurück: ein schöner freier Anflug über ein Erdbeerfeld, dann zum Aufsetzen ein frisch geeggter Acker.

Auf dem Erdbeerfeld waren etliche Arbeiter mit dem Pflücken beschäftigt, die kümmerten sich aber nicht um das landende Flugzeug. Nur der Chef der Pflücker kam gleich an und war wohl besorgt gewesen, daß ich einen seiner Arbeiter beim Landen erwischen würde. Als ich ihm versicherte, daß man die Personen von oben gut hätte sehen können, war er dann doch beruhigt. Offensichtlich war er bei Segelfliegern wohl etwas vorsichtig. Einige Zeit zuvor muß dort wohl ein Flieger gelandet sein, der nach seinen Angaben nur um Haaresbreite seinen Trecker verfehlt hätte. Daraufhin sei er "dahinten in den Bach gerutscht". Der Bauer habe ihn dann retten wollen und als auf das Flugzeug zulief, sei ihm der Pilot entgegengekommen und habe ihn nur heftigst zur Seite gewunken. Reichlich spät habe er dann erst den zweiten landenden Flieger gesehen und sich volle Deckung suchend auf den Boden geworfen...

Bislang habe ich es immer für ein Gerücht gehalten, aber die Frage kam tatsächlich. Zwei vorbeispazierende Damen tuschelten zuerst "das ist bestimmt der Pilot" und fragten dann gleich neugierig "hatten sie keinen Wind mehr". Schmunzelnd gab ich die standardisierte Erklärung ab.

Dann kam der Landwirt, der den von mir genutzten Acker bebaute. Zunächst schaute er recht skeptisch auf die in den weichen Boden tief gezogene Furche. Er runzelte die Stirn und erzählte etwas von teurer Lohnarbeit. Ich versuchte, ihm ausgesprochen freundlich entgegenzutreten, in der Hoffnung, daß der angerichtete Schaden nicht zu groß sei. Er runzelte weiter die Stirn. Dann aber schaute er seinen Sohn an, dann mich, dann wieder seinen Sohn und schlug mir dann vor, wenn ich dem Filius das Flugzeug erklären würde, und auch ein Foto von dem Jungen mit dem Flugzeug drin sei, wäre eigentlich alles in Ordnung.

Mein Fazit: Eigentlich ist so eine Aussenlandung gar nicht so schlimm und auf jeden Fall ein interessantes Erlebnis...

 

Der Flug im OLC