Ein altes Haus
Nachts um zwölf
Das Haus hüllt sich in Schweigen
Jedoch ist es den Fluren eigen
der Hall, der wächst aus einsam leisen Schritten
Ein Flüstern nur, doch wächst aus ihrer Mitten
ein Raunen, grad' so, als würde man halblaut sich unterhalten
Und wieder schlägts zurück von alten Wänden
an denen diese Scheingespräche plötzlich enden
Ich wend mich um
Das Knirschen meiner Sohlen
klingt wieder von den Bohlen
des Bodens, das Gespräch ist wieder da
Von vorne kommt es und von hinten her
doch wenn ich schau, der Gang ist leer
So geh ich weiter
Von der Erkenntnis, die ich hab', fast heiter
weiß ich doch um des Schalles Trug
Und doch es ist mir nicht genug:
noch lange klingt das Hallen in mir nach
Ich bleibe wach
Am Morgen erst kommt dann das klare Licht des Lebens
Geschäftigkeit des Tages nimmt dem heimeligen Trug den Raum
Und wieder wird es Nacht
und die Geschäftigkeit und Hektik wird zur Ruh' gebracht
Spürt man ganz leise wieder
des alten Hauses Beben
Im Garten säuselt es im Baum
Von irgendwo her hört man leise Lieder
Dies alles ist kein Spuken,
doch des alten Hauses eignes Leben
Wieder ist es zwölf
© Gregor Doege 2004